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Vocal Chordestra

„Vocal Chordestra“ – Ein außergewöhnliches „Stimmenorchester“
Annette Giesriegl (vocals, electronics) Franz Schmuck (vocals, percussion,electronics)

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Hinter dem „klingenden“ Bandnamen stecken zwei seit vielen Jahren in Graz lebende Tiroler Künstler/innen: ein Vocal-Duo mutiert zum Sound-Orchester. Von Annette Giesriegl, die als freie Improvisatorin eine Sonderstellung in der österreichischen Stimmenwelt einnimmt, kommen Klangskulpturen wie diese nicht überraschend. Ihr Partner Franz-Schmuck war einem größeren Publikum bisher jedoch nur durch seine perkussive Mitwirkung in der folk-steirisch-jazzorientierten Formation „Broadlahn“ bekannt, hat aber seine „frei-ere“ musikalische Seele nie verleugnet. Das Interesse der beiden an den verschiedenen ethnischen Stimmwelten bestimmt den Charakter der Aufnahme, beschränkt sich jedoch nicht auf ein Nachahmen dieser Sounds, sondern sucht freie, improvisatorische Zugänge – „Free Ethno“, so auch der Titel ihrer ersten CD. Elektronik, perkussive und fremd-vertraute folkloristische Stimmungen reiben sich einerseits, verbinden sich zu Neuem, Ungehörtem, machen den besonderen Reiz der Einspielung aus. Und – wer sich noch erinnert – vor vielen Jahren machte eine A Capella Gruppe namens „Vocal Summit“ (u.a.. mit Bobby McFerrin, Jay Clayton, Urzula Dudzia oder Lauren Newton) von sich reden, „Vocal Chordestra“ beleben in einigen Stücken diese moderne Tradition kommunikativer Improvisation“. Eine CD für neugierige Stimmenfans mit offenen Ohren – und Köpfen – … (Presstext , tHo/ Musikjournalist)

„Bergkirschen“ Vocal Chordestra. Track 3 von 13.

LISTEN TO TWO TRACKS of Vocalchordestra with LIVE LIGHT PAINTING by Roman Scheidl and Katharina Puschnigg broadcasted at BR ALPHA:

http://www.tamamu.com/videos/tamamu-cafe-zeichenfilme/

go to RUNNING SUSHI and you will hear: JA! PANISCH and FAR EAST, FAR OUT from the CD „Free Ethno!“

 

vocalO_195Free Ethno! / Vocal ChordestraCD erschienen bei Extraplatte

Rezensionen:

Wir bedanken uns (…) bei allen terrestrischen und extraterrestrischen Gesangsvereinen dieser Galaxis für die Pflege und Konservierung ihrer Vokaltraditionen, die es uns ermöglicht haben, bei der Entwicklung von gutturalakrobatischen Einlagen aus dem Vollen zu schöpfen.“, so Giesriegl und Schmuck. Und wir bedanken uns, dass sie uns an eben diesen Einlagen in Form eines behörenden Tonträgers teilhaben lassen. Wenn der Schimmel des Normalen alles Innovative niedertritt, sich in allen Niederungen der populären Kultur die schleimige Wohltonmasse niederlässt, dann müssen interessante tonistische, in diesem Fall vokale Projekte auf den kargen Kulturstein auf mehreren tausend Meter Höhe ausweichen und dort zu wachsen beginnen. Kaum ein wenig den Kopf aus dem Geröll gesteckt, lassen Schmuck und Giesriegl ihre Juchizer, Inuit-Gesänge, Ober- und Unterton-Ton Vokal-Kaskaden los. Und diese sind mindestens so amüsant und interessant wie Kuvezins kehlkopfbearbeitete Versionen von „Love will tear us apart“ und „In-A-Gadda-Da-Vida“! (bak, Jazz Zeit Nr. 64)

In Tirol gibt’s nicht nur die tanzende Jodlerin Zabine oder die Starmaniac Nadine Beiler. Seit Jahren werkt die Thaurer Vokalistin Annette Giesriegl im fernen Graz und brachte unlängst ihre zweite CD heraus: Weltmusik, fein gestimmt, perkussiv und elektronisch aufgepeppt. Das singende Tirol – das ist also nicht bloß die medial aufgemischte Welt im Glotzkastl, sondern unter anderem auch eine experimentierfreudige Musikwelt außerhalb der Landesgrenzen. Tatsächlich: Weltmusik, World Music – das ist ein sehr weiter Begriff. Seit Mitte der 1980er Jahre versteht man schwer kategorisierbar Mischklänge aus Afrika, Asien, Lateinamerika darunter, alles Musikalische, das nicht in den USA oder Europa produziert wird also, aber auch ethnografisch motivierte Field Recordings, komplexe Hybrid-Klänge auch und Bastard-Musiken. Weltmusiker – Hubert von Goisern, Joe Zawinul und Bobby McFerrin – machten unlängst den Auftakt zu den Wiener Festwochen, deren Motto dieses Jahr die Völker verbindende Kraft der Kunst ist. Damit kommen wir dem Unternehmen Vocal Chordestra schon näher. Etwas von all dem ist nämlich auf »Free Ethno!« zu spüren. Annette Giesriegl tollt hier gemeinsam mit Franz Schmuck auf der weiten Ethno-Kulturwiese vokaler, perkussiver und elektronischer Klänge herum. Schmuck, ebenfalls Tiroler und einer breiteren Öffentlichkeit als Perkussionist der steirischen Neue Volksmusik-Formation Broadlahn bekannt, bringt beste Voraussetzungen für seine Partnerin mit, die Obertongesang, Throat und Scat Singing zu ihren Leidenschaften zählt. Nicht nur das freilich. Giesriegl hatte und hat Projekte mit Neutönern wie Gerhard Rühm oder Mia Zabelka am Laufen, hat vor Zeiten gemeinsam mit ihrer Lehrmeisterin Jay Clayton ein Free Jazz- Programm auf die Beine gestellt und ihr Kompositions- und CD-Debüt mit der Formation Annett4tett schon hinter sich. »Free Ethno!« verquickt diese Erfahrungen und stellt den Anspruch freier Improvisation im Titel programmatisch ins Zentrum. 13 Nummern erzählen in fremden und vertrauten Klangreden Geschichten aus der großen, weiten Welt, erzählen von »Bergkirschenblüten«, vom »Exinuit« oder vom »Luhpgruhf« und »Ip-Op«. Nicht immer ganz so ernst gemeint all das und schon gar nicht gutmenschelnd. Die Sound-Kategorien, die hier zählen, sind nicht dogmatisch oder ideologisch, sondern heißen Drive, Sample, Loop, Groove, Experiment, Assoziation. Und das ist gut so! (Bernhard Sandbichler, kultur-online newsletter 6. 6. 07)